Stadt Graz
Die facettenreiche Großstadt Graz nutzt schon seit 2019 die Mobilitätsanalyse aus City Insights >, um die Stadt nachhaltig und präzise weiterzuentwickeln. Die Analyse macht sichtbar, wie sich Menschen in der Stadt, zwischen Bezirken und ins Umland bewegen, und liefert so wertvolle Erkenntnisse für eine zielgerichtete Planung.
Stadt Graz
Eingebettet zwischen sanften Hügeln, Weinbergen und den Ausläufern der Alpen liegt die Stadt Graz > im Herzen Europas. Als zweitgrößte Stadt Österreichs, als lebendige Hauptstadt der Steiermark und als verbindendes Zentrum zwischen urbanem Leben und ländlichem Umland. Die Mur durchzieht die Stadt während der Schlossberg über Dächer, Plätze und historische Gassen wacht. Graz ist nicht nur geografisch ein Knotenpunkt, sondern auch kulturell, wirtschaftlich und wissenschaftlich.
Seit dem Anschluss an die Südbahn im Jahr 1848 entwickelte sich die Stadt dynamisch weiter, von der aufstrebenden Industriestadt hin zu einem modernen Wissens- und Innovationsstandort. Mit rund 345.000 Einwohnenden und etwa 50.000 Studierenden prägt eine junge, internationale Atmosphäre das Stadtbild. Mit der Gründung der Technischen Hochschule durch Erzherzog Johann im Jahr 1811 wurde zudem der Grundstein für eine bis heute prägende Forschungs- und Innovationskultur gelegt. Unternehmen wie Magna Steyr und AVL List stehen exemplarisch für die industrielle Stärke. Das hohe Bildungsniveau und die ausgeprägte Forschungsintensität machen Graz zu einem Hotspot für Innovation und Unternehmertum. Rund 1,25 Millionen Nächtigungen jährlich unterstreichen die Rolle von Graz als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kongressstandort.
Auch geografisch ist Graz strategisch positioniert: Als Verkehrsknotenpunkt zwischen Alpenraum, Adria und Südosteuropa ist die Stadt über die Autobahnen A2 und A9 sowie das internationale Schienennetz bestens angebunden. Zukunftsprojekte wie die Koralmbahn und der Semmering-Basistunnel rücken Graz noch näher an die europäischen Wirtschaftszentren heran.
Graz ist damit weit mehr als eine Landeshauptstadt: Sie ist Impulsgeberin für die gesamte Region, Drehscheibe zwischen Stadt und Umland und ein Ort, an dem Tradition, Innovation und Lebensqualität auf besondere Weise zusammentreffen.

Starke Daten. Starke Stadt.
Die auf Mobilfunkdaten basierende Mobilitätsanalyse ist in der Stadtplanung von Graz seit 2019 fest verankert. Sie liefert täglich und flächendeckend aktuelle Erkenntnisse darüber, wie sich Menschen innerhalb der Stadt, zwischen Bezirken und Stadtteilen sowie über die Stadtgrenzen hinaus bewegen. Damit beantwortet sie eine zentrale Frage der Stadtentwicklung: Was passiert in meiner Stadt und wie verändert es sich?
Im Gegensatz zu früheren Umfragen und Schätzungen ermöglicht City Insights > eine kontinuierliche, datengetriebene Analyse. Sichtbar wird nicht nur, wo Menschen wohnen, sondern auch, wo sie sich tatsächlich aufhalten, ob als Bewohner oder als Besucher zum Arbeiten, Einkaufen oder zur Ausbildung. So entstehen fundierte Erkenntnisse zu Pendlerströmen, Aufenthaltsdauern und Bewegungsmustern.
Die Auswertung erfolgt auf Basis der 17 politischen Bezirke sowie einer kleinräumigen Gliederung in 44 Struktursprengel. Ergänzend helfen bei der Interpretation hinterlegte Points of Interest, etwa Arbeitgeber, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen oder Verkehrsknotenpunkte. Zur Qualitätssicherung wurden ZMR- und Arbeitsmarktdaten herangezogen.
Das Ergebnis ist ein präzises, kleinräumiges Bild urbaner Mobilität und damit eine verlässliche Grundlage für strategische Stadt- und Bezirksentwicklung.
„Mit City Insights ist es erstmals möglich, einen tagesaktuellen Blick auf die Bewegungsmuster der Leute in der Stadt zu werfen. Darauf können wir als Stadtplaner reagieren, Trends und Entwicklungen erkennen, Maßnahmen ableiten und letztendlich die Lebensqualität in den Bezirken erhöhen.“
DI Bernhard Inninger, Stadtentwicklung und Flächenwidmung Stadt Graz

Foto: © Stadt Graz



Die Daten entfalten ihre Wirkung
Im Mittelpunkt der Analyse stehen die Besucher- und Bewohneranalyse, sowie die Bezirks- und Stadtteilzentren. Ziel des Stadtentwicklungskonzepts ist es, neben dem historischen Zentrum auch die Bezirkszentren langfristig zu stärken und das polyzentrale Gefüge der Stadt Graz zu sichern.
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass zwischen innerstädtischen und peripheren Bezirken deutliche Unterschiede bestehen. Die Daueranwesenheit variiert um rund 15 % zwischen den Bezirken mit den höchsten und niedrigsten Werten. Gleichzeitig zeigt die Besucherquote die hohe Anziehungskraft der Stadt: Nur 13 von 44 Struktursprengeln haben weniger Besucher als Bewohner. Besonders hohe Frequenzen finden sich bei Einkaufszentren, Krankenhäusern und Universitäten.
Die Herkunftsanalysen machen deutlich, dass viele Besucher aus direkt angrenzenden Umlandbezirken in die Stadt kommen. Auch die Wege der Grazer Bevölkerung führen überwiegend in nahegelegene Nachbarbezirke. Ein klares Zeichen für ein starkes Netz aus Arbeits-, Wohn- und Freizeitangebot und dass Graz eine Stadt der kurzen Wege ist.
Detaillierte Tagesverläufe ermöglichen zudem eine genaue Betrachtung der Nutzung im Tages- und Wochenverlauf. Werktage sind stärker frequentiert als Wochenenden, mit Spitzen zwischen Mittag und Nachmittag. Der Samstag ist belebter als der Sonntag. In den meisten Bezirken überwiegen innerstädtische Besucher. Ausnahmen wie Liebenau, St. Peter, Straßgang oder Puntigam erklären sich durch besondere Infrastruktur, etwa durch große Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Einkaufszentren sowie das Stadion Liebenau.
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Bewegungen, Aufenthalte, sowie Aktivitäten des täglichen Lebens von Menschen innerhalb einer Stadt – wo, wann und warum finden diese statt? Fragestellungen mit denen sich Verkehrs-, sowie Städteplanung beschäftigen, um eine Stadt weiterzuentwickeln.
Die interaktive Plattform „City Insights“ zeigt, inwiefern aus aggregierten Analyseergebnissen, basierend auf Mobilfunkdaten, fundierte Entscheidungen hinsichtlich Stadt- und Verkehrsplanung getroffen werden können.

Fallbeispiel: Jakomini/ Messe
Ein prägnantes Beispiel ist Jakomini rund um die Messe Graz. Obwohl zentrumsnah gelegen, fehlte hier lange ein eigenes Stadtteilzentrum. Daher wird seit über 20 Jahren das Gebiet gezielt entwickelt, unter anderem durch Ansiedlungen wie die Styria Media Group und die Merkur Versicherung. Die Daten zeigen eine hohe Dichte an Arbeits- und Wohnnutzungen sowie stabile Besucherzahlen, selbst in den veranstaltungsschwachen Jahren 2020 und 2021. Die Auswertungen gaben zudem Impulse für die Aufwertung des öffentlichen Raums, etwa durch mehr Aufenthaltsqualität und Begrünung.
Fallbeispiel: Liebenau
Auch der Bezirk Liebenau bietet interessante Erkenntnisse. Historisch aus mehreren Pfarrgemeinden gewachsen, verfügte er lange über kein klar definiertes Zentrum. Rund um das Einkaufszentrum Murpark, das Stadion Liebenau und Betriebe wie Magna Steyr zeigen sich heute hohe, tageszeitlich unterschiedliche Frequenzen. Auf Basis der Analysedaten ist im Umfeld des Murpark ein neues Stadtteilzentrum geplant, mit einer gezielten Nutzungsmischung in den Erdgeschoßzonen. Die kontinuierliche Analyse soll die nachhaltige Entwicklung des Bezirks langfristig begleiten.
Fazit
Die Mobilitätsanalyse zeigt, wie dynamisch und vielschichtig das Leben in Graz ist. Deutliche Unterschiede zwischen innerstädtischen und peripheren Bezirken machen die räumlichen Strukturen der Stadt sichtbar. Gleichzeitig unterstreicht die hohe Besucherquote die starke Anziehungskraft von Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen und Einkaufsstandorten. Insgesamt entsteht so eine fundierte Grundlage, um das polyzentrale Stadtgefüge langfristig zu stärken und Graz strategisch weiterzuentwickeln.

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