#TeamThursday: Mitgründer und Verkehrswissenschaftler Michael Cik

In unserer neuen Serie #TeamThursday wollen wir jeden Donnerstag jene Menschen ins Rampenlicht rücken, die hinter der Marke Invenium stehen.

Beginnen möchten wir heute mit unserem Verkehrswissenschaftler und Mitgründer Michael Cik. Wir haben ihn - lockdown-bedingt per Video - zu einem Gespräch über den Aufbau eines Start-Ups, den Beitrag von Invenium in herausfordernden Zeiten wie diesen, und die Zukunft des Unternehmens getroffen.

Als Mitgründer hast du das Start-Up Invenium von Beginn an begleitet. Wie würdest du die letzten 4 Jahre beschreiben?
Michael Cik: Die letzten vier Jahre waren sehr intensiv, lehrreich und motivierend zugleich. Kommend aus der Forschungswelt, war die Veränderung, plötzlich aus wissenschaftlichen Prototypen kommerzielle Produkte zu entwickeln, im Nachgang betrachtet sehr fordernd, aber auch lehrreich zugleich. Die Reaktion unserer Kunden, und einen Beitrag zu deren Wertschöpfung leisten zu können, das war und ist noch immer sehr motivierend für mich.

Eure Leistungen und Produkte basieren auf mobilfunkbasierten Mobilitätsanalysen? Was versteht man darunter und wie werden sie eingesetzt?
Wir beschäftigen uns mit sogenannter Data Analytics, die Analyse und Aufbereitung von Daten. In unserem Fall, spezialisiert auf das Verkehrswesen, da ich selber aus diesem Bereich komme. 2012 bin ich erstmals zwecks einer Kooperation für Verkehrsmodelle an die A1 herangetreten. Unter Verkehrsmodellen versteht man, die örtliche Betrachtungsweise menschlicher Arbeits- und Lebensgewohnheiten auf Basis von Modellen. Daraus lassen sich wiederum Zukunftsmodelle ableiten, welche Aufschluss über die Entwicklungen des Individual- und öffentlichen Verkehrs geben und Potentiale für neue Infrastruktur ableiten lassen. Wir nutzten die statistischen Modelle und ergänzten diese mit realen Daten. In ersten Überlegungen wollten wir 2012 anhand von Mobilfunkdaten die Modelle besser kalibrieren. Gemeinsam mit der A1 entstand so an der TU Graz ein erstes Forschungsprojekt. Wir beschäftigten uns damals mit der Fragestellung, wie Mobilfunk-Signalisierungsdaten eines Telekommunikationsunternehmens unter Berücksichtigung des Datenschutzes, anonymisiert werden müssten, um diese für Forschung oder sogar für kommerzielle Zwecke verwendbar zu machen. Dieses Projekt legte den Grundstein für Invenium und für unsere Plattform Mobility Insights, welche unsere Kunden dabei unterstützt, die menschliche Bewegung zu verstehen und Erkenntnisse daraus zu ziehen, um Fragestellungen wie: Woher kommen eigentlich meine Kunden?, Wie lange halten sich Touristen an Attraktionen auf?, Wie verhalten sich Pendler in einer Stadt? und viele weitere, zu beantworten.

Aus strategischer Sicht strebe ich die Marktführerschaft im Bereich von digitalen Mobilitätsanalysen in Europa an und zwischenmenschlich möchte ich weiterhin mit zufriedenen und glücklichen Mitarbeitern Spaß an der Arbeit haben. Michael Cik - Mitgründer Invenium

Ihr seid ein Spin-Off der TU Graz und des Know-Centers, einem Forschungszentrum für Big Data Analytics. Welche Rolle spielte die Forschung in der Entstehung von Invenium und welchen Platz nimmt sie heute bzw. zukünftig ein?
Die Forschung spielt eine sehr große Rolle, da datengetriebene Produkte noch nicht State-of-the-Art sind und Forschung die Grundlage für unserer Arbeit bildet. Der Weg vom Forschungsprototypen hin zum kommerziell verwertbaren Produkt wird uns somit auch zukünftig begleiten.

Das Unternehmen Invenium ist der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt und trat erstmalig im Zuge der Corona-Krise in deren Erscheinung. Was war euer Beitrag in dieser herausfordernden Zeit?
Wir beschäftigen uns schon lange mit Gedanken zur Theorie des „Social Contacting“. Die Grundlage dabei ist ganz einfach gesagt folgende: Je geringer die Mobilität, umso niedriger ist das „Social Contacting“ und je weniger soziale Kontakte jede einzelne Person hat, umso flacher wird die Kurve der Ansteckung, unabhängig des Krankheiterregers. Soweit unsere Annahmen. Seit mittlerweile drei Jahren beschäftigen wir uns mit diesen Analysen im Forschungs- aber auch kommerziellen Bereich. Wir sind in der Lage, auf Basis der uns zugrundeliegenden Daten, einen täglichen Mobilitätsindex für den COVID-19 Krisenstab zu errechnen, welcher als Basis in die Modelle einfließen könnte. Im Zuge erster einzelner Auswertungen zeigten sich die Mitglieder des Krisenstabs sehr angetan. Seit diesem Zeitpunkt betrachten wir täglich das Mobilitätsverhalten in Österreich und wie es sich verändert. Unser Ansatz verfolgt nicht die Überwachung von Personen und ob ein ausgerufener LockDown eingehalten wird. Mit unseren Lösungen möchten wir Entscheidern weitere Kennzahlen zur Beurteilung des Infektionsgeschehens in Österreich anbieten. Die Daten zeigen, dass wenn die Mobilität abnimmt, auch das „Social Contacting“ sinkt und sich auf ein Abflachen der Kurve auswirkt.

Der Einsatz moderner Technologien im Kampf gegen COVID-19 ist - Stichwort: Stopp Corona App - immer auch von Kritik und Datenschutzbedenken begleitet. Wie entgegnest du Menschen, die bei Bewegungsstromanalysen Bedenken äußern, und ihre Privatsphäre gefährdet sehen?
Mir ist es wichtig zu erwähnen, dass wir einen technischen und ethischen Einklang gefunden, unsere Dienstleistungen immer klar und transparent kommuniziert haben und dies auch weiterhin so halten werden. Alle Auswertungen die wir machen sind datenschutzkonform und TÜV-geprüft. Zusätzlich haben wir im Unternehmen im Rahmen der „Corporate Responsibility“ ethische Prinzipien festgelegt und lehnen Anfragen, die sich damit nicht vereinbaren lassen, kategorisch ab – auch wenn es sich um Mitbewerberanalysen handelt, die rein rechtlich gesehen eigentlich erlaubt wären.

Du hast die Firma mit aufgebaut, bist Sprachrohr nach außen, sitzt für Invenium in der COVID-19 Future Operation Plattform, lehrst an der TU Graz, woher schöpfst du abseits deiner Tätigkeiten deine Energie und wie schaltest du ab?
schmunzelt Als Eigentümer einer Firma kann man, glaube ich, nie ganz abschalten. Die Lösung zukünftiger Herausforderungen schwingt immer im Kopf mit. Aber ich mache es gerne – es gibt kaum Tage, an denen die Motivation dazu fehlt. Nichtsdestotrotz bedarf es eines Rückzugsortes, wo man wieder einmal so richtig auftanken kann. Mein wichtigster Energiefaktor und Motivator für zukünftige Projekte zugleich ist meine Familie. Da kann ich mich entspannen und finde aber auch Inspiration zu neuen Ideen.

Blick in die Zukunft: Was ist deine Vision für Invenium? Wo siehst du das Unternehmen in den nächsten 2 bzw. 5 Jahren?
Ich möchte die Frage aus drei Blickwinkeln betrachten: Operativ ist mir die Lieferung von qualitativ hochwertigen Analyseergebnissen, die zur Wertschöpfung unserer Kunden beitragen, sowie zufriedenen Kunden sehr wichtig. Dies ist aber keine Vision, sondern eine Grundlage für unsere Arbeit. Aus strategischer Sicht strebe ich die Marktführerschaft im Bereich von digitalen Mobilitätsanalysen in Europa an und zwischenmenschlich möchte ich weiterhin mit zufriedenen und glücklichen Mitarbeitern Spaß an der Arbeit haben – mit einem Headquarter in Graz.

Invenium Mitgründer Michael Cik

Zurück zur Artikelübersicht