Österreich bleibt daheim

Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten. Ungewöhnlich ist es, in seiner Bewegung eingeschränkt zu sein. Ungewöhnlich, Schutzmasken zu tragen. Ungewöhnlich, in einem Zustand der Krise und Sorge zu leben.

Ungewöhnlich war es für uns auch, nach unserem Entschluss, die österreichische Regierung bei ihrem Kampf gegen COVID-19 zu unterstützen, plötzlich im Mittelpunkt des medialen Interesses zu stehen. Wir wurden mit einem Unbehagen konfrontiert. Ein Unbehagen, ausgelöst durch das Wort „Bewegungsanalysen“, verstärkt durch das im gleichen Satz folgende „an die österreichische Bundesregierung“.

Ja, wir liefern Bewegungsanalysen an die österreichische Bundesregierung. Wir machen das, weil wir gut darin sind. Weil wir glauben, damit helfen zu können. Wir machen das, so wie wir das für all unsere Kunden machen: anonymisiert, auf Gemeindeebene ohne Rückführbarkeit auf Einzelpersonen, im Einklang mit den strengen Datenschutz-Regulativen und mit einem TÜV geprüften Anonymisierungsverfahren durch unseren Partner A1. Aber es reicht uns nicht mehr aus, das nur zu sagen. Wir möchten es auch zeigen.

Deswegen setzen wir in diesen ungewöhnlichen Zeiten einen weiteren, für uns ungewöhnlichen Schritt und machen unsere Analyseergebnisse öffentlich verfügbar.


Wir sind an den Krisenstab der Bundesregierung aus einer einfachen Überlegung heraus herangetreten: Menschliche Mobilität spielt sowohl bei der Verbreitung als auch der Bekämpfung des COVID-19 Virus eine zentrale Rolle. Wir sind Experten für Mobilitätsanalysen. Vielleicht können wir helfen.

Konkret geht es dabei um die Theorie des Social Distancing: Je weniger soziale Kontakte ich habe, umso flacher wird die Kurve der Ansteckungen. Je flacher die Kurve, desto geringer das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems. So weit, so oft gehört. Auf diese Idee bauten wird die Annahme auf, dass mit sinkender Mobilität das Social Distancing steigt: Je weniger soziale Kontakte die Durchschnittsperson hat, umso eingeschränkter ist ihr Bewegungsradius.

Um diese sinkende Mobilität und damit in weiterer Folge die Auswirkungen der beschlossenen Maßnahmen begreifbar und messbar zu machen, definierten wir den Indikator der „Mobilitätsrate“.

Mobilität: Bewegungsradius im Laufe eines Tages über einen Kilometer.
Mobilitätsrate: Anteil der anonymisierten Mobiltelefone mit Mobilität pro Gemeinde

Im Umkehrschluss ergibt sich daraus auch die Rate derer, die im Laufe eines Tages nicht oder nur wenig mobil sind. Derer, die daheim bleiben.

Daheimbleiber: Anteil der anonymisierten Mobilitelefone mit einem Bewegungsradius unter einem Kilometer

Die Kennzahl der Mobilitätsrate alleine lässt allerdings noch keine Aussage über die Auswirkungen der beschlossenen Maßnahmen zu. Diese werden erst durch den Vergleich der aktuellen Mobilitätsraten mit den Mobilitätsraten für einen Tag vor Inkrafttreten der Maßnahmen sichtbar. Es ist diese Veränderung der Mobilität pro Gemeinde, die wir seit Mitte März für den österreichischen Krisenstab berechnen und ab heute für die breite Öffentlichkeit zugänglich machen. Eine Zahl pro Gemeinde, die Aufschluss darüber gibt, ob die Maßnahmen befolgt werden. Ob soziale Kontakte verringert werden. Ob die Kurve eine Chance hat, flacher zu werden.

Die Antwort? Ja, sie greifen. Die Mobilität und damit die sozialen Kontakte werden eingeschränkt. Wir sehen einen durchschnittlichen Abfall der Mobilität um 30%, in den urbanen Zentren sogar über 40%. Kurz: Österreich bleibt daheim!


Interpretation der Ergebnisse

  1. Der Mobilitätsrückgang in den Städten ist überdurchschnittlich stark. Das liegt vor allem an der Verfügbarkeit der notwendigen Infrastruktur in unmittelbarer Nähe. Durch arbeitspolitische Maßnahmen (Home-Office, Kurzarbeit, etc.) fällt der Arbeitsweg als Hauptgrund innerstädtischer Mobilität weg.
  2. Umgekehrt erklärt sich der etwas schwächere Rückgang im ländlichen Gebiet. Erstens ist der Anteil der längeren Wege, über 1 km, schon an normalen Tagen vor den gesetzlichen Maßnahmen höher als in anderen Gemeinden. Damit ist auch während der gesetzlichen Maßnahmen naturgemäß weniger Mobilitätsreduktion möglich. Zweitens muss die Gemeindebevölkerung längere Weg zurücklegen, um systemkritische Infrastrukturen (Arzt, Apotheke oder Lebensmittelhändler) oder den Arbeitsplatz zu erreichen.


Diese Ergebnisse stimmen uns positiv. Die Maßnahmen greifen. Die Mobilität geht zurück. Die grün aufleuchtende Karte ist für uns ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass Österreich zusammenhält. Dass alle ihren Beitrag leisten. Dass wir diese ungewöhnlichen Zeiten gemeinsam meistern werden.

Bleibt gesund. #bleibdaheim

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